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Sächsische Zeitung vom 10. April 2017:

Der Botschafter fürs Wandern

Reinhard Mirle wandert aus Leidenschaft. Dafür hat der Mann aus Kleindehsa einen besonderen Titel verliehen bekommen.

Von Andreas Herrmann

 

Der Kleindehsaer Reinhard Mirle ist gern in der Natur unterwegs. Der Wanderhut gehört immer mit dazu. Mit seiner Leidenschaft fürs Wandern will er auch andere anstecken.

 

Der Kleindehsaer Reinhard Mirle ist gern in der Natur unterwegs. Der Wanderhut gehört immer mit dazu. Mit seiner Leidenschaft fürs Wandern will er auch andere anstecken.

© Rafael Sampedro

Die Anforderungen an einen Botschafter des Wanderns gehen über das Erklimmen von Bergen und Gipfeln hinaus. Als am Sonnabend Reinhard Mirle in Kleindehsa diese Ehrung erhalten hat, gehörten auch noch das Singen des Refrains des Oberlausitzliedes sowie weitere Nachweise wie der Besuch des gusseisernen Turmes in Löbau oder die Verbreitung einer Angebotsbroschüre zum Thema Wandern und Radwandern dazu. Botschafter sind schließlich auch für die Wirtschaftsförderung zuständig.

 

Die Wurzeln für Mirles Werdegang als Botschafter wurden schon in der Schulzeit gelegt. Da sei man sehr viel gewandert, sagt er. Die Görlitzer Landeskrone und natürlich die heimischen Berge um Löbau und Cunewalde waren das Ziel zahlreicher fröhlicher Ausflüge an Schulwandertagen. Später folgte dann eine weitere Stufe im Wanderleben, was mit guter Nachbarschaft zusammenhing. Eines Tages kam den Mirles nämlich die Idee mit neuen Freunden, die gleich neben ihrem Haus in der Nähe der Bergstraße eingezogen waren, gemeinsam einmal im Monat zünftige Ausflüge zu Fuß zu unternehmen.

 

Reinhard Mirle wohnt gleich am Hauptwanderweg „Blauer Punkt“, der von Görlitz nach Wernigerode führt, und sah dort immer die Wandergruppen vorbeikommen. Das sei ein sehr anregendes Bild gewesen, erinnert er sich. Später, noch zu DDR-Zeiten, wurde auch die örtliche Betriebssportgemeinschaft (BSG) darauf aufmerksam und man erhielt den organisierten Status einer Sektion Wandersport, fuhr zu Verbandstreffen in die Sächsische Schweiz. Dort waren auch die Leute vom bekannten Bergsteigerchor Kurt Schlosser. „Es waren wirklich interessante Erlebnisse und Begegnungen“, schwärmt Mirle über die Stationen von damals.

 

Vorgenommen hat die ungewöhnliche Ehrung und Botschafter-Ernennung jetzt der Radwegewart und Radelpapst Martin Noack aus Löbau. Er vertritt die Initiative „Wir bewegen aktiv & präsent“. Dazu gehört auch die Ernennung von Botschaftern. Das sind Personen, die sich um dieses Thema besonders verdient machen. „Wir bewegen aktiv und präsent per Rad, zu Fuß, als Skater, zu Huf, zu Wasser und auch in der Luft“, umschreibt Noack seine Mission. „Im Prinzip ist das irgendwo auch Werbung“, meint er schmunzelnd. Und diese sei für Löbau und seine schöne Umgebung durchaus angebracht.

 

Reinhard Mirles Enthusiasmus für das Wandern hat alle botschafterlosen Zeiten vorher überdauert und sich bis heute erhalten. Zum Beispiel, wenn jetzt zum Jahresersten rund 400 Leute kommen. Seit 25 Jahren gibt es auch die Wanderung „Über den Nördlichen Kammweg“ und ein weiterer Höhepunkt ist der Wandertag „Oberlausitzer Rennsteig“, berichtet er. „So etwas ist unsere Antwort auf die Sächsische Schweiz. Wir haben uns hier in Kleindehsa gesagt: Das können wir auch“, meint der Botschafter in diesem Fall als politischer Beobachter.

 

Darüber hinaus sei Wandern richtig gut für die Gesundheit. Es fördere die Ausdauer, man bewege sich schließlich mit dem gesamten Körper und belaste alle Muskelgruppen. Außerdem bekomme man unheimlich viel von Heimat- und Naturkunde mit. Natürlich sieht Reinhard Mirle seinen neuen Botschafterstatus mehr als Spaß, dies aber durchaus mit ernstem Hintergrund. Es sei eine Anerkennung, dass man in der Verwaltungsgemeinschaft Löbau merkt, dass es hier eine Truppe gibt, die sich nachhaltig um ein Stück Heimat kümmert.

 

Für dieses Jahr sind seine nächsten Pläne der Tag der Oberlausitz im August und natürlich der Tag der Sachsen in Löbau. Dann wird es ein „Anwandern“ geben, das heißt, er und seine Wanderfreunde wollen auf der ehemaligen Eisenbahntrasse nach Löbau wandern, um als Gesandte der Wanderzunft auch pünktlich beim Festumzug dabei zu sein.