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Montag, 13.06.2016 

Zu Fuß einmal um die Welt

Karl-Heinz Naussed aus Kleindehsa hat sich dem Wandern verschrieben. Das, was er dabei erreicht hat, können nicht viele von sich behaupten.

Von Marcus Scholz

Von seinen Vereinskameraden vom 1. Kleindehsaer Wanderclub hat Karl-Heinz Naussed einen kleinen Pokal geschenkt bekommen. Die Trophäe ist eine Auszeichnung für Nausseds besondere Leistungen im Wandersport.

© Thomas Eichler

Kleindehsa. Was für andere der tägliche Gang mit dem Hund ist, ist für Karl-Heinz Naussed aus Kleindehsa die Tour hinauf auf den Hochstein. Naussed wandert für sein Leben gern, ist Hochsteinwart und in verschiedenen Vereinen aktiv. So auch beim 1. Wanderclub Kleindehsa. Und weil der 66-Jährige ein ganz besonderes Clubmitglied ist, hat er von seinen Vereinskameraden jüngst einen kleinen goldenen Pokal überreicht bekommen. Denn Naussed ist etwas gelungen, das in Sachsen offiziell nur elf weitere Personen geschafft haben: Er ist in seiner Wanderkarriere seit 1989 insgesamt einmal um den Globus, also etwa 40000 Kilometer gelaufen. Seitdem führt Naussed Buch über seine Touren. Doch schon Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre hat er damit begonnen, die sächsischen Wanderwege unsicher zu machen. „Deswegen sind es eigentlich noch viel mehr zurückgelegte Kilometer“, sagt der Mann aus Kleindehsa.

An den Tag, als er die magische Schallmauer durchbrochen hatte, kann sich Karl-Heinz Naussed noch ganz genau erinnern. „Ich stieg am 4. Mai in Schlungwitz aus dem Auto und es regnete. Als ich zurückkam, regnete es immer noch“, sagt er. Und dennoch hat sich der 66-Jährige seine Freude über den Rekord vom schlechten Wetter nicht verhageln lassen. Dreht es sich ums Wandern, dann blüht der Kleindehsaer sowieso regelrecht auf. Täglich läuft er mindestens sieben Kilometer. Zusammen mit seinen Freunden unterschiedlicher Wanderclubs nimmt er aber auch regelmäßig größere Distanzen in Angriff. Und die haben es in sich. Strecken um die 50 Kilometer seien „Pillepalle“, so Naussed. Um sich richtig auszutesten und zu verausgaben, nimmt er deswegen zwei- bis dreimal im Jahr Läufe über 100 Kilometer auf sich. Dass diese binnen 24 Stunden zurückgelegt werden müssen, versteht sich dabei von selbst. Zumindest für Karl-Heinz Naussed: „Ich laufe die 100 Kilometer ohne Probleme. Allerdings sind solche Strecken schon ganz schön unnormal“, sagt er. Solch eine Wanderung abgebrochen habe er noch nie. Auch, wenn es zwischendurch schon einmal wehtun könne. „Schmerz geht, Stolz bleibt“, so der 66-Jährige über das Gefühl nach einem absolvierten Einhunderter. Und dabei hätte er am Anfang nie daran gedacht, einmal solch lange Strecken am Stück wandern zu können. 1979 ist es gewesen, als Naussed zum ersten Mal in seinem Leben 15 Kilometer zurücklegte. „Ich bin damals eine Tour im Zittauer Gebirge mitgelaufen. Danach war ich eine Woche krank“, sagt er.

Obwohl er schon damals ein Fan von Ausdauerdisziplinen gewesen sei, habe er nach der Wanderung zum ersten Mal so richtig mitbekommen, was es alles für Muskeln im menschlichen Körper gibt. Heute kann der Kleindehsaer darüber lachen. Für all diejenigen, die auch mit dem Gedanken spielen, einmal einen Langstreckenlauf auszuprobieren, hat Naussed einen Tipp parat, um sich auszutesten. Und zwar den sogenannten Wilthener Einhunderter. „Die Strecke enthält alle Berge der Oberlausitz. Wer die bewältigt, kann auch alle anderen Einhunderter wandern“, sagt er. Zum Beispiel auch den „Walk of the World“, zu deutsch: Lauf der Welt, im niederländischen Nijmegen. Bis zu 40 000 Läufer sind dort auf der Strecke und wandern vier Tage hintereinander unterschiedliche Distanzen. Karl-Heinz Nausseds Tour ist in viermal 40 Kilometer aufgeteilt. Neunmal ist er unter Einsatz seiner Ellbogen an den Start gegangen. „Dort ist so viel los, da muss man sich schon Freiraum verschaffen“, sagt der Weltumwanderer, der so lange laufen will, wie ihn die Füße tragen.

Loslassen kann er sowieso nicht. Noch nicht einmal, wenn er von einem der Einhunderter nach Hause kommt. „Dann rede ich kurz mit meiner Frau, zieh mir danach aber gleich wieder die Schuhe an und wander auf den Hochstein“, so Karl-Heinz Naussed. Schließlich müsse er dort nach dem Rechten sehen.